Wie Oma Hedwig den kleinen Teddy Stubs vor dem Sperrmüll rettete

So“, und jetzt noch zwei braune Knopfaugen, und du bist fertig, kleiner Teddy“, sagte Oma Hedwig und nähte dem kuscheligen Teddy in ihrer Hand noch zwei Knopfaugen an. „Da wird Tom sich aber freuen, wenn er einen Teddybären mit so einer süßen Stubsnase von mir zum Geburtstag bekommt“, sagte sie. „Ich bin gespannt, wie er dich nennen wird.“

Tom nannte den Teddy Stubs, wegen der Stubsnase, und er trug ihn überall mit sich herum. Er hatte Stubs vom ersten Augenblick an lieb und Stubs hatte Tom lieb. Nachts durfte er in seinem Bett schlafen und morgens beim Frühstück saß er auf Toms Schoß, wo er mit Nutellabroten und Kakao gefüttert wurde. Er ging mit in den Kindergarten und durfte sogar im Restaurant neben Tom sitzen. Einmal nahm Tom ihn mit auf den Spielplatz. Stubs saß im Sandkasten und schaute Tom und seinen Freunden beim Spielen zu. Als Tom an diesem Abend in seinem Bett lag, merkte er plötzlich, daß sein Teddy weg war. Er hatte ihn versehentlich auf dem Spielplatz vergessen. Er konnte doch nur gut einschlafen, wenn Stubs bei ihm war! „Mach dir keine Sorgen“, beruhigte die Mutter ihn, „morgen früh gehen wir noch einmal zum Spielplatz und werden Stubs holen, und jetzt schlaf schön, mein Schatz.“ An diesem Abend machte ein junger Mann einen Abendspaziergang mit seinem Hund. Er ließ ihn für eine Weile ohne Leine laufen und da geschah es, daß der Hund loslief auf den Spielplatz. Er entdeckte den kleinen Stubs und trug ihn ganz sanft in seinem Maul zu seinem Herrchen. „Na, Benny“, sagte der Mann, „was hast du denn da schon wieder gefunden? Immer bringst du mir etwas anderes an, mal sehen, was ist es denn heute? Nanu, ein kleiner Teddy, wo hast du den bloß wieder her? Den nehmen wir mit und bringen ihn morgen früh zum Fundbüro.“

Ohne Stubs hatte Tom eine unruhige Nacht, er schlief schlecht und träumte, daß Stubs etwas geschehen sein könnte. Als er am nächsten Morgen mit seiner Mutter zum Spielplatz ging, um den Teddy zu holen, bestätigten sich seine Befürchtungen: Stubs war weg. Tom weinte um Stubs, doch das brachte ihm seinen Teddy nicht wieder. Beim Mittagessen stocherte er nur ein wenig in den Fischstäbchen herum und wollte vor Traurigkeit fast gar nichts essen. Stubs saß inzwischen auf einem Regal im städtischen Fundbüro und hoffte, daß Tom ihn ganz schnell nach Hause holen würde. Doch woher sollte Tom wissen, daß Stubs im Fundbüro auf ihn wartete?

Alles, was im Fundbüro herum stand oder in Regalen lagerte, war irgendwann einmal von jemandem irgendwo vergessen und von einem ehrlichen Finder dort abgegeben worden. Da gab es Uhren und Schmuckstücke, Regenschirme und Taschen, Pullover, Fahrräder, Aktenkoffer, Spielsachen und nun auch Stubs.

Es kam zu einer Versteigerung im Fundbüro, und weil Stubs noch immer im Regal saß, sollte auch er versteigert werden. Der, der am meisten für ihn bieten würde, sollte ihn kaufen können. Doch der kleine Teddy war so unglücklich und schaute so traurig drein, daß keiner ihn kaufen wollte. Die Leute kauften lieber Fahrräder oder Uhren. Stubs wurde kurzerhand in einen Karton geworfen und kam zum Sperrmüll. Da saß er nun ganz traurig in dem dunklem Karton und weil er so unsanft behandelt worden war, fehlte ihm sein rechtes Ohr. Er lugte ein wenig aus dem Karton heraus und sah Autos vorüberfahren und Menschen, die beschäftigt an ihm vorbei eilten, ohne ihn auch nur einmal anzuschauen. Doch plötzlich kam eine freundliche alte Dame auf ihn zu und sagte, „Du bist ja ein hübscher kleiner Teddy, irgendwie kommst du mir bekannt vor, dir fehlt ja ein Ohr. Ich werde dich mitnehmen und dann nähe ich dir ein hübsches Ohr an.“ Da strahlte Stubs, denn auch er erkannte Oma Hedwig und freute sich, daß sie ihn vor dem Sperrmüll gerettet hatte. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie glücklich Tom war, als er seinen kleinen Teddy wieder im Arm halten konnte! Er drückte ihn ganz fest und flüsterte ihm ins Ohr, daß er von nun an immer gut auf ihn aufpassen wolle. Oma Hedwig hatte Stubs ein neues Ohr angenäht und eine hübsche Hose und ein Hemd für ihn geschneidert, denn wenn ein Teddy ihre Hilfe brauchte, weil ihm ein Öhrchen oder ein Auge fehlte, wurde er von ihr liebevoll wiederhergestellt.