Lisas Freunde aus dem Kleiderschrank

Lisa ist die kleine Schwester von Katrin. Katrin und ihre Freundinnen wollen nicht mit Lisa spielen, weil sie noch so klein ist, sagen sie. "Ich will aber mitspielen", sagte Lisa einmal zu den Mädchen, die das Puppengeschirr auf den kleinen Tisch im Wohnzimmer gestellt hatten und Besuch aus Amerika spielten.

Katrin verdrehte die Augen: "Geh raus Lisa, du bist noch zu klein, um mitzuspielen". "Ja, genau", sagte eine der Freundinnen, "mit Babys spielen wir nicht". Dann machten sie einfach die Türe zu und ließen Lisa draußen stehen.

Traurig und wütend zugleich trottete Lisa in ihr Zimmer und holte eine große Schere. "So", sagte sie wütend, und ihre Augen funkelten, "wenn ihr mich nicht mitspielen lasst, dann mache ich dafür Katrins Lieblingskleid kaputt". Sie öffnete den Kleiderschrank ihrer Schwester und wollte gerade die Träger des blauen Kleides durchschneiden, als sie plötzlich erschrocken zurückfuhr. Da saß auf einem Pullover eine dicke Motte, die gerade ein kugelrundes Loch in Katrins Pullover gefressen hatte. Die Motte war ihrerseits auch erschrocken, als sie Lisa vor sich stehen sah, mit der großen Schere in der Hand. "Was hast du denn da gemacht?", erkundigte sich Lisa erschrocken. "Iiiiich"?, fragte die Motte ganz scheinheilig, und wischte sich eilig ein paar Flusen vom Mund, die rechts und links heraushingen. "Gaaaar nichts". "Ja, das sehe ich", sagte Lisa, "du kannst doch nicht einfach Katrins Pullover auffressen". "Man wird ja wohl noch mal etwas essen dürfen", sagte die Motte, "und außerdem bin ich Mamou, der Mottenkönig, und wenn ich Hunger habe, dann fresse ich Kleider". "Was hast du da eigentlich mit der großen Schere vor?", fragte Mamou. "Ich hatte gar nichts mit der Schere vor", sagte Lisa und legte schnell die Schere weg. "Ich bin nur wütend, weil meine Schwester und ihre Freundinnen mich nicht mitspielen lassen wollen". "Ach so ist das, dann spiel doch mit mir", entgegnete Mamou fröhlich und lachte. "Was kann man den in einem Kleiderschrank schon spielen? Mit einer Motte?", antwortete Lisa. "Ohhh, sag das nicht", erwiderte Mamou,"mein Kleiderschrank, der ist famos, hier drin ist eine Menge los, wir können uns Gruselgeschichten im Dunkeln erzählen, und wenn du willst, lernst du meine Freunde Katimpatock, den Holzwurm, und Kordula, die Spinne kennen, komm einfach zu uns in den Kleiderschrank und mach die Türe zu". "Gut", sagte Lisa, "ich hol nur schnell eine Taschenlampe". Sie holte eine Taschenlampe aus dem Werkzeugschrank, nahm ihr Bilderbuch und kletterte zu Mamou in den Schrank. Sie saß auf dem Boden des dunklen Kleiderschrankes, die Taschenlampe in der Hand, das Bilderbuch auf dem Schoß und fragte den Mottenkönig: "Ja wo sind sie denn, deine Freunde?" "Kooooordulaaaaaa, Kaaaatimpatooook!", rief Mamou." Woooo seid iiiiihr?" Unter dem Regal hörten sie plötzlich ein Knabbergeräusch. "Leuchte mal nach oben", sagte Mamou und flatterte herunter zu Lisa," das muß der Holzwurm sein". Lisa leuchtete nach oben und plötzlich mußte Katimpatock kräftig niesen, als er in das Licht schaute und purzelte herunter, genau vor Lisas Füße. "Hallo Katimpatok", begrüßte Lisa den Holzwurm freundlich, "hoffentlich hast du dir nicht weh getan, ich bin Lisa". Katimpatok schüttelte sich etwas Staub von der Schulter und sagte : "Ach, im Fallen habe ich Übung, kein Problem, man muß sich nur geschickt über die Schulter abrollen".

"Ich wähle die elegantere Variante", hörte Lisa plötzlich eine feine Stimme über ihr und eine kleine, schwarze Spinne ließ sich langsam und elegant Stück für Stück an einem seidenen Faden heruntergleiten. "Ja, dann sind wir ja alle da", sagte Mamou, "das ist Lisa", stellte er Lisa vor. "Das habe ich bereits vernommen", sagte die vornehme Spinne und setzte sich neben Katimpatok und Mamou auf den Boden. "Was hast du denn da auf dem Schoß?", wollte Mamou wissen. "Das ist mein Bilderbuch, die Bilder habe ich selbst gemalt und eingeklebt". "Zeig doch mal", forderte Katimpatok Lisa auf. Lisa legte das Bilderbuch auf den Boden und zeigte den dreien ihre Bilder. "Das ist ja tollschön", sagte Kordula. Da freute sich Lisa . "Schade, daß ihr nicht in meinem Kleiderschrank wohnt", sagte sie, "dort würde ich es euch ganz gemütlich machen". "Wir können ja umziehen", erwiderte Katimpatok. "Ja, wieso eigentlich nicht", entgegnete Kordula begeistert, "gegen eine kleine Luftveränderung hätte ich auch nichts einzuwenden".

"Schön", freute sich Lisa, legte die Handfläche auf den Boden und die drei kletterten hinein. Dann setzte sie sie in ihren Kleiderschrank und baute jedem ein gemütliches Eckchen. Für Kordula legte sie ein kleines seidenes Taschentuch in die Schrankecke, für Katimpatock ein paar hölzerne Bauklötze und für Mamou einen alten Pullover auf den Boden des Schrankes. Da kam plötzlich Katrin herein und fragte Lisa, ob sie nicht mitspielen wolle. Doch darauf antwortete Lisa nur : " Ach nö, mein Kleiderschrank, der ist famos, hier drin ist eine Menge los", kletterte in ihren Kleiderschrank und machte die Türe zu.