Basilio der kleine Hirtenjunge

Es war ein frischer Frühlingsmorgen, die Luft war erfüllt vom angenehmen Duft feuchter Erde. Ein Meer kleiner Krokusse brach aus dem Boden hervor und die Vögel sangen ihre Lieder. Die Morgensonne schien hell, und die Luft war so klar wie eine reine Gebirgsquelle, als Basilio, der kleine Hirtenjunge, auf einem sanften Hügel unter einem Magnolienbaum saß und auf seiner selbstgeschnitzten Hirtenflöte eine fröhliche Melodie spielte.

Es war ein frischer Frühlingsmorgen, die Luft war erfüllt vom angenehmen Duft feuchter Erde. Ein Meer kleiner Krokusse brach aus dem Boden hervor und die Vögel sangen ihre Lieder. Die Morgensonne schien hell, und die Luft war so klar wie eine reine Gebirgsquelle, als Basilio, der kleine Hirtenjunge, auf einem sanften Hügel unter einem Magnolienbaum saß und auf seiner selbstgeschnitzten Hirtenflöte eine fröhliche Melodie spielte. Ein zarter Wind, der in des Hirtenjungen Locken tanzte, trug sein Lied hinaus in die Ferne. Basilio besaß eine glasklare Kristallkugel, die ihm Acapantus das Schlüsseltäubchen einmal geschenkt hatte und mit der er gerne spielte. Dann warf er sie hoch in die Luft und freute sich, wenn sie das Sonnenlicht reflektierte oder sich des Nachts kleine glitzernde Sternchen auf ihr spiegelten. Einmal war sie ihm beim Spielen aus der Hand gerutscht und hatte von da an einen feinen Riss und ein kleines Loch. Die Schafe weideten weiter unten im Tal und Benjamin, der Hirtenhund, hielt sie zusammen. Das fröhliche Spiel auf der Hirtenflöte lockte einen wunderschönen Schmetterling an, der aufgeregt immer um Basilios Kopf flatterte. Der Hirtenjunge unterbrach sein Spiel und streckte seine Hand aus, damit das zarte Geschöpf auf ihr landen konnte, dabei blinzelte er direkt in das helle Sonnenlicht, in dem der Schmetterling in allen Farben des Regenbogens schimmerte. Der kleine Schmetterling landete auf der Hand des Hirtenjungen so zart wie ein Lufthauch. "Na wer bist denn du?" fragte er den Schmetterling. "Ich bin Senia, die verzauberte Schwanenkönigin", antwortete der Schmetterling. "und ich bin Basilio," sagte Basilio. Der kleine Hirtenjunge sah, daß die verzauberte Schwanenkönigin große leise Tränen weinte, die erst auf seine Hand kullerten, und dann in das saftige Gras tropften, um dann im weichen Boden zu versinken. Senia erzählte ihm, daß ein böser Fluch sie getroffen habe, denn des Nachts bei Mondschein verwandelt sie sich in einen Stein, und daß sie sich nichts auf Erden lieber wünschte, als wieder ein glücklicher Schwan zu sein auf ihrem Seerosenteich. Das Schicksal des kleinen Schmetterlings rührte Basilio sehr und eifrig fragte er, wie er ihm helfen könnte. "Du mußt durch das große Eismeer schwimmen und im Eisgebirge die Herzperlenblume pflücken. Diese mußt du Sekuru, dem Zauberer, bringen. Nur so kann ich erlöst werden", schluchzte der Schmetterling.

"Ich will dir helfen," sagte Basilio, doch kann ich die Herde nicht allein lassen. Er rief Benjamin den Hirtenhund, der freudig angelaufen kam, und erzählte ihm die traurige Geschichte der Schwanenkönigin. Er bat ihn, solange auf die Schafherde aufzupassen, bis er wieder von seiner Reise zurück war. Sein braver Hund stupste sein kaltes, Schnäutzchen in seine Hand, legte den Kopf auf seinen Schoß und schaute ihn aus seinen treuen Augen freundlich an, was bedeutete: "Mach dir keine Sorgen ich werde gut auf unsere Schäflein achtgeben".

Basilio nahm seine Kristallkugel und machte sich auf den Weg. Dabei kam er am Glasperlenbaum vorbei, in dem Acapantus, das Schlüsseltäubchen schlummerte. Er nahm ein Grashälmchen und kitzelte Acapantus am Bäuchlein. "Acapantus, wach auf“ sagte er leise und vorsichtig. Das Schlüsseltäubchen streckte müde ein Füßchen von sich, spreizte den Flügel, gähnte laut und schlug dann die Augen auf. " Ach du bist es, Basilio, was gibt es denn so Wichtiges, daß du mich in aller Hergottsfrühe wecken mußt."

"Ich gehe auf die Reise, die Herzperlenblume im Eisgebirge zu suchen, denn ich will Senia, die Schwanenkönigin von ihrem bösen Fluch befreien, damit sie wieder ein glücklicher Schwan wird." Dann wünsche ich dir viel Glück ", sagte Acapantus und schenkte seinem Freund das goldene Schlüsselchen, damit es ihm Glück bringen sollte." Lebe wohl Basilio und komm gesund wieder." "Auf Wiedersehen, Acapantus."

Basilio lief über Hügel und Felder, durch Täler und Wälder. Einen ganzen Tag und die halbe Nacht, und als er endlich am Eismeer angekommen war, blickte er - auf einem Felsen stehend - auf das tiefschwarze Meer, auf dessen Oberfläche sich die Sternchen am dunklen Nachthimmel spiegelten. „Wie soll ich nur durch das große Eismeer schwimmen, ich habe doch gar kein Boot?", dachte er. Er setzte sich auf den Felsen und grübelte ein wenig in die Nacht, als plötzlich ein großer Fisch mit einem leuchtenden Turmalinstein auf der Stirn in hohem Bogen aus dem Wasser sprang. "Ein Turmalintümmler!" rief der kleine Hirtenjung erfreut, und wieder sprang der Fisch aus dem Wasser und machte einen Bogen in der Luft, wobei das Wasser angestrahlt vom Mondlicht silbrig glitzernd von seinem glatten Körper perlte. "Kannst du mir helfen“? rief Basilio zu dem Fisch herüber. Der Turmalintümmler schwamm ganz nah an den Felsen heran und machte eine riesige Luftblase." Ja, ich verstehe was du meinst", rief der Hirtenjunge und kletterte herunter zu ihm in die Luftblase. Der Fisch schwamm mit einem Bändchen im Mund einmal um die Luftblase herum eine Schlaufe und knotete so das Bändchen um die Luftblase. So zog er den kleinen Hirtenjunge durch das große Eismeer. Begleitet wurden sie von einem Schwarm singender Goldbarsche, die ihnen den Weg durch das Dunkel erhellten.

Basilio lachte und quietschte vor Freude, denn die Luftblase schwamm wackelnd durch das Wasser. Das machte ihm Spaß, und er sang mit den Goldbarschen im Kanon. Er beobachtete die bunte Unterwasserwelt mit großen Augen. Es gab viel zu sehen unter Wasser, wunderschöne Seeanemonen, kleine Einsiedlerkrebse, Seesterne und Seeigel, Makrelen und Heringe. Auch Wale und Haie konnte er beobachten. Stellenweise ging es nicht so schnell voran, denn Seetang erschwerte ihnen den Weg. Als der Turmalintümmler das Bändchen losließ und einmal um die Luftblase schwamm, wußte Basilio, daß sie am Eisgebirge angelangt waren. Er winkte dem Fisch, der im Dunkel des Meeres verschwand, zum Abschied lange nach.

Der kleine Hirtenjunge kletterte aus seiner Luftblase auf die Insel der Eisberge. Das Schlüsselchen und die Kristallkugel steckte er in sein Hemd. Es war so dunkel, daß Basilio nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte. Er fror und zitterte wie Espenlaub. Er tappte durch die Dunkelheit, die ihm große Angst machte. Auf seiner Wiese wärmten ihn nachts immer die Schafe und Benjamin, an den er sich kuscheln konnte, legte seinen Kopf zum Schlafen auf seinen Schoß. Die Nacht barg seltsame angsterregende Geräusche, die Basilio nicht kannte. Verängstigt kauerte er sich auf dem beißendkalten Eisboden zusammen und fing an zu weinen. Ein guter Hirte würde seine Herde nicht im Stich lassen, warf er sich vor, und wie sollte er in dieser Dunkelheit nur die Herzperlenblume finden? Plötzlich zischte ein strahlendheller Pfeil durch die Luft. Geblendet von so viel Licht hielt sich der kleine Hirtenjunge die Hand vor Augen. "Hab keine Angst, Basilio, ich bin Shiri der Feuervogel, sagte das helle, strahlende Geschöpf am Himmel mit warmer Stimme. Senia, die Schwanenkönigin, schickt mich, dir zu helfen, die Herzperlenblume zu finden". Basilios Augen hatten sich nun an das Licht gewöhnt, und er fror auch nicht mehr so schrecklich, denn der Feuervogel verströmte eine angenehme Wärme. Als der kleine Hirtenjunge zu ihm aufschaute, sah er, daß 13 sich flink bewegende Augen, die in alle Himmelsrichtungen schauten und die Gegend erkundeten, das Gefieder des Vogels schmückten.

Nun würde alles gut werden, dachte sich der kleine Hirte und folgte Shiri über Eisberge, durch Schluchten und Gletscherspalten. Und endlich auf der Spitze eines Eisbergs blühte die Herzperlenblume. Als Basilio sie erblickte, lief er schneller und schneller und erklomm geschickt den Eisberg.

Doch plötzlich hörte er, wie das Eis knarrte und knackste, sich bewegte, zersprang und brach. Es war wohl die Hitze des Feuervogels, die die Eisgebirgsfelsen zum Zerspringen brachte. In letzter Minute pflückte Basilio die Herzperlenblume und hielt sie ganz fest in seiner Hand, als er in die Tiefe stürzte. Er lag bewußtlos am Boden. Langsam erwachte er vor dem Eingang einer Tropfsteinhöhle. Und wieder war es dunkel. Als er versuchte sich aufzurichten, merkte er, daß sein rechtes Handgelenk verletzt war.

Auf einmal hörte er ein schmatzendes Geräusch aus dem Inneren der Höhle. "Hallo, ist da jemand?", rief er vorsichtig in die Höhle hinein." "Na klar ist hier jemand", kam die Antwort zurück. "Ich werde mal Licht machen, brummelte die tiefe Stimme aus der Höhle, und ein großer dicker Drache mit lieben Augen, einem lustigen Mund und einem glasklaren Hörnchen auf der Stirn lugte aus ihrer Öffnung hervor mit einem leuchtenden Feuerball in der Pranke. "Ich bin der Drache Marzipan und esse schrecklich gerne Marzipan, und wer bist du?" "Ich bin Basilio, der Hirtenjunge," antwortete Basilo.

Der dicke Drache Marzipan bot Basilio ein Stückchen von seiner Marzipanschokolade an, als er bemerkte, daß sein Handgelenk geschwollen war. "Ich werde dich zu Sekuru, dem Zauberer, bringen, damit er dich verarztet", brummelte der Drache. "Genau da muß ich hin", erwiderte Basilio. Mit sicherem Schritt wanderte Marzipan durch den langen Gang der Tropfsteinhöhle, und der kleine Hirtenjunge stolperte hinterher. Die Herzperlenblume hielt er sicher in der linken Hand. Auf der langen Wanderung erzählte er dem Drachen, daß er die Blume Sekuru dem Zauberer bringen muß, um Senia von ihrem Fluch zu befreien, auch daß er seine Schafe deswegen mit Benjamin, seinem Hirtenhund, alleingelassen hatte, von seiner Kristallkugel von dem freundlichen Turmalintümmler und Shiri, dem Feuervogel, und warum er in die Tiefe gestürzt ist. Während sie so wanderten sprach der Drache kein Wort, er brummelte nur ab und zu und Basilio merkte, daß er ihm aufmerksam zuhörte. Als sie an einem unterirdischen See angelangt waren, setzten sie sich eine Weile und gönnten sich eine Verschnaufpause. Marzipan, der dicke Drache, schaute Basilio freundlich an, reichte ihm seine große Pranke und sagte:" Basilio, willst du mein Freund sein"? "Ja, antwortete der kleine Hirtenjunge und leise legte er seine kleine Hand in die große Pranke des Drachen." Gut," brummelte Marzipan. "Hier ist unsere Reise zu Ende, fuhr er weiter fort.Schau, da drüben ist eine Türe und dahinter wohnt Sekuru der Zauberer." Doch die Türe ist aus so dickem Holz, daß Sekuru nicht hören wird , wenn du anklopfst." "Mach dir darum keine Sorgen", sagte Basilio und drückte den Drachen noch einmal zum Abschied. Dann ging er zu der Türe, die Marzipan ihm gezeigt hatte. Er nahm sein goldenes Schlüsselchen, und tatsächlich ließ sich das Schloß damit öffnen.

Als er die Türe öffnete, empfing ihn ein wohlig-warmer Raum, in dem ein Kaminfeuer brannte und weiter hinten saß Sekuru in einem großen blumigen Ohrensessel und schmauchte genüsslich an seiner Pfeife. Auf der Rücklehne des Ohrensessels saß eine braune Eule, die Basilio mit großen Kugelaugen anschaute, und zu des Zauberers Füßen saß ein weißes Mäuschen. "Hallo Basilio," sprach der Zauberer Sekuru mit seiner tiefen warmen Stimme, "ich habe dich schon erwartet."

"Ich habe dir die Herzperlenblume mitgebracht, sagte Basilio und zeigte ihm die Blume in seiner Hand. "Du bist sehr mutig," freute sich Sekuru. "Stell sie dort in den Krug auf dem Tisch." Basilio tat, was der Zauberer ihm auftrug. Er rückte einen Stuhl beiseite und setzte sich an den Tisch. Erst jetzt merkte er, wie erschöpft er von seiner langen Reise war und langsam fielen ihm die Augen zu. Sekuru stand auf, verarztete das Handgelenk des kleinen Jungen und legte ihn in ein Bettchen. Er schlief einen ganzen Tag und eine ganze Nacht, und als er aufwachte, stieg ein köstlicher Duft von Braten und süßem Kuchen in seine Nase. Der kleine Hirtenjunge fühlte sich so geborgen, wie schon lange nicht mehr. Sekuru hatte ihm ein gutes Essen gekocht und freute sich über Basilios großen Hunger. Er presste ihm auch zwei Orangen aus, deren Saft er noch mit etwas Wasser verdünnte. Frisch gestärkt konnte Basilio sich nun wieder auf die Heimreise begeben. Der Zauberer sprach einen Zauberspruch aus seinem dicken Zauberbuch und Basilio fand sich wieder unter dem Magnolienbaum, wo er einst sein fröhliches Liedchen auf seiner Hirtenflöte gespielt hatte. Freudig kam ihm sein Hirtenhund Benjamin entgegengelaufen, der fast Purzelbäume schlug vor Freude und kräftig mit dem Schwanz wedelte. "Benjamin, mein Benjamin," rief Basilio seinem Hund entgegen und nahm ihn überglücklich in die Arme. Dann streichelte er jedem seiner Schäfchen über den Kopf und zählte, ob sie noch alle da waren, und sie waren noch alle da. "Komm Benjamin, laß uns die Schäfchen zum Seerosenteich führen, ich will sehen, ob ich Senia entdecken kann."

Am Seerosenteich angelangt schaute Basilio gespannt über das Wasser und tatsächlich schwamm ein wunderschöner Schwan zwischen den Seerosen umher und lächelte Basilio glücklich an. Der kleine Hirtenjunge nahm seine Flöte und spielte eine verträumte Melodie, und das Schwänchen tanzte auf dem Wasser. Immer wenn der kleine Hirtenjunge mit seiner Herde unterwegs war und diese Melodie spielte, musste er an das kleine Schwänchen denken und an die Abenteuer, die er erlebt hatte, um es von seinem bösen Fluch zu befreien.

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